paranoia, voyeurismus & getanzte bären

18 Feb 2010 von Silvia Hallensleben

Es ist wie jedes Jahr. Kaum sind alle Kritiken geschrieben, fängt der Hals an zu kratzen. Und in den Glauber Rocha, den ich dann eigentlich sehen wollte, bin ich nicht reingekommen, weil ich erst mit zwei nigerianischen Produzenten lange versucht habe, den Ort zu finden, wo die ihre lächerlichen Kataloggutscheine einlösen konnten. Die Presse kriegt das ja einfach so umsonst.  Und dann wurde ich mit meinem Fotoapparat nicht ins CineStar reingelassen, obwohl die Kamera gar keine Videofunktion hat und ich eigentlich nur ein paar Stimmungsphotos aus der Wintersonne für den Blog machen wollte. Ziemlich hysterisch der Umgang mit dem Thema Videopiraterie dieses Jahr, wie mag das erst werden, wenn man bald auch mit Brillen filmen kann? Beim zweiten Versuch, den CineStar-Raum zu betreten, wollte mich ein Wachmann von der Eingangsschleuse bis zur Garderobe zwangsbegleiten, damit ich das Gerät auch wirklich abgebe. Im CinemaxX und CineStar ist das ziemlich unerträglich, man fühlt sich wie auf sicherheitsdienstbesetzem Terrain.

Neuigkeiten zu „Nénette“, eine Freundin fand den Film voyeuristisch, wegen der Glasscheibe, hinter der Nénette sitzt, wenn ich mich recht erinnere. Andererseits betrachtet die ihr Publikum doch zumindest so ausgiebig wie wir sie. Nur sie ist Affe, wir sind Mensch. Wir führen die Kamera, sie kann sie vermutlich nicht mal als solche erkennen.Was heißt das für den mashup-trailer von lola randl? Und wie ist das bei anderen Tieren und überhaupt? Spricht doch eigentlich für den Film, daß er solche Fragen auf den Tisch bringt.

Der Begriff Mashup ist ja seit der Helene-Hegemann-Geschichte auch in bildungsbürgerlicheren Kreisen verbreitet. Doch erst heute habe ich erfahren, daß es auch bei der Berlinale Mashup-Trailer gibt. Die hat die junge Berliner Filmemacherin Lola Randl gemacht, sie setzt auf den altvertrauten wabernden Blubbersound des Kosslick-Ära-Trailers wundersame Performanzen von Menschen, die die Visualität der explodierenden Berlinale-Galaxis mehr oder weniger gelungen im Tanz reproduzieren. Manchmal sogar mit getanztem Bärenlogo. Wenn man Glück hat, bekommt man wie ich heute abend so ein Ding im Kino zu sehen. Falls nicht, kann man sie sich auf der Berlinale-Seite ansehen.


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1 Kommentar zu “paranoia, voyeurismus & getanzte bären”

  1. Ulla sagt:

    Die Trailer gibt’s auch online, nämlich hier:

    http://www.berlinale.de/de/60_jubilaeum/geburtstags-events/startseite.php

    Ich finde sie sehr lustig.

    Leider habe ich nur am ersten Wochenende zwei davon im Kino gesehen. Schade!

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