65 mm Zärtlichkeit

09 Feb 2009 von Stefan Höltgen

Die ersten Tage der Retropsektive waren für mich sehr erhellend. Meinen ersten vollständigen Film habe ich nun auch gesehen (“Baraka”, dazu unten mehr) und die beiden Podiumsdiskussionen haben die notwendigen Hintergrundinfos geliefert, um zu würdigen, was da überhaupt vor mir hergeflimmert ist.

Am Freitag, ich deutete es ja bereits an, gab es ein Fünfergespräch mit Menschen, die alle irgendwie mit 70-mm-Film ihr Geld oder ihre Meriten ernten. Die bald aus dem Publikum aufgeworfenen Frage, ob das Format denn vielleicht schon tot sei, wenn seit so vielen Jahren kein Film darauf mehr erschienen sei, konnte also nur verneint werden. Argument: Sonst gäbe es doch keine Retrospektive. Das kann man auch anders herum sehen. Aber vielleicht ist die Frage ja schon ganz falsch (denken wir einmal an das Riepl’sche Gesetz) gestellt.

Sie sollte eher lauten: Worin besteht heute der Mehrwert der Doppelbreite? Den haben alle Diskutanten eindeutig darin hervorgehoben, dass hier Kino zu seiner Vollendung gelange. Nicht nur sind die Bilder größer, auch wird dem Drumherum viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Es sei schon mehr mit einem Opernbesuch vergleichbar, in eine 70-mm-Vorstellung zu gehen: Die Ouvertüre, die Pause und nicht zuletzt eine geringere Schnittfrequenz, die die Last der Erzählung wieder mehr von der Montage auf die mise-en-scene verschiebe. Zudem gebe es für das 70-mm-Kino, wie kaum noch für ein anderes Format, eine feste Fangemeinde, die eine “reine Lehre” vertritt. Blowups von 35 mm gucke man sich in solchen Kreisen nur widerwillig an.

Auf dem zweiten Panel zum Thema war dann Tom Tykwer anwesend, der insgesamt sieben Minuten 65-mm-Material in seinen neuen Film “The International” implementiert hatte. Geplant habe er die Verwendung diese Formats schon immer, sei aber erst jetzt dazu gekommen (wohl auch finanziell). Über den spezifischen Mehrwert für seinen Film konnte er allerdings nur verklausuliert reden. Da wäre ein besserer Kontrast von Fleisch zur unbelebten Umgebung, die Details seien deutlicher etc. Wie genau das möglich ist angesichts der Tatsache, dass die Auflösungsvorteile durch die schlussendliche digitale Herabskalierung des 70-mm-Materials zurück in die 35-mm-Rolle verschwinden, ist in der begeisterten Metaphorik Tykwers irgendwie untergegangen.

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(v.l.n.r.: Sepp Reidinger – Arri, Tom Tykwer – Parfümör, Rolf Giesen – Moderator)

Anstelle dessen verlor er sich mehrfach in einer Cineastischen Utopie, in der duftende Filme als Hologramme präsentiert werden und man zu Hause “2k”-Qualität per Knopfdruck für 99 Cent (oder 2,99 Euro) übers Internet bekomme. Filesharing sei dann Vergangenheit genauso wie endlich die ganzen technisch schlecht ausgestatteten Kinos ausgemendelt würden und nur noch Bestausstattung übrig bleibe. Schöne neue Multiplex-Welt, kann ich da nur sagen. Aber auch Tykwer sieht (zurück in der Gegenwart) in den großen Formaten 70-mm und Imax vor allem die Konkurrenzfähigkeit des Kinos gegenüber den immer besser werdenden Heimpräsentationen.

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(Tom Tykwer und die 35 mm)

Bei “Baraka” konnte ich mich dann heute erstmals selbst von den Vorzügen des Formats überzeugen. Dieses mal aus adäquater Distanz muss ich schon sagen: Der Film wirkt gewaltig, berauschend, beinahe verschlingend. Fricke, findet nicht nur die richtigen Bilder, sondern vor allem auch die besten Kamera-Bewegungen, um dieses Verschlungenwerden ins Filmbild zu befördern. Sei das, was “Baraka” inhaltlich mitzuteilen hat, auch noch so naiv (platteste Zivilisationskritik gepaart mit unreflektiertem Religionskitsch und Naturverklärung – “Koyaanisqatsi” schlecht nachgemacht, wie man nicht selten & zu recht liest), was der Film zeigt beziehungsweise wie er es zeigt, ist eine qualitative Offenbarung. Auf der Berlinale lief zum ersten Mal die restaurierte Todd-AO-Fassung (vor kurzem ist eine Blu-ray des Films erschienen, die die Maßstäbe für das Medium neu setzt).

Ich bin nun gespannt, wie es weitergeht. Ein paar Filme stehen noch auf meinem Programm und das Podium mit Maurice Jarre. Ich werde davon schreiben.

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