Kinowirklichkeit

10 Feb 2009 von Stefan Höltgen

Es ist doch einfach nur noch schön, manchmal zu sehen, welchen prägenden Einfluss das Kino auf unsere Lebenswirklichkeit hat. Oder soll das gestern Abend bloß ein Zufall gewesen sein, was sich vor der Vorstellung von Tatis “Playtime” am Kinoschalter abgespielt hat? Wie immer gab es mehr Interessierte am Film als es Karten gab. Schon eine dreiviertel Stunde vor Beginn fanden sich also etwa 40 Menschen vor dem Ticketschalter im Cinestar ein, um im Fall des Falles – dass es noch restliche Kontingente gibt – eine Karte zu ergattern.


(Koreanische Kinofans, im Vordergrund mit, im Hintergrund noch ohne Karte)

Der Kassiererin muss die Situation irgendwann zu undurchsichtig gewesen sein, denn zur Überraschung aller ließ sie plötzlich verlauten, dass, wer noch Karten haben möchte, sich gefälligst “ordentlich anstellen” soll – eine derartig “wilde Schlange” könne Sie nicht dulden. Das Gemurmel der wartenden nahm Untertöne von Heiterkeit und Bestürzung an und als die mit der Kartenverkaufsmacht ausgestattete das nun wiederum vernahm, bellte sie schroff nach: “Und ich dulde keine Widerrede.”

Es hat dann wohl noch jeder eine Karte bekommen, denn einige Sitze im Kino sind leer geblieben. Aber das heitere Durcheinander, das Tatis Film bestimmt, schien seinen Schatten eindeutig vorausgeworfen zu haben. Die Unübersichtlichkeit, die Vielfalt der Menschen, Stimmen und Sprachen, dass sich überall irgendetwas im Bild abspielt: Das ist ja das besondere Unordnungsprinzip an “Playtime”. Und der verzweifelte Oberkellner, der seine Mannschaft vom Saufen und das Restaurant damit vom totalen Zusammenbruch abhalten will – der wäre sicherlich ein heilsamer Anblick für die Ticketverkäuferin gewesen: Allein, sie hat sich sicherlich selbst keine Karte verkauft, denn sie hat ja völlig falsch gestanden (eben nicht in Reih und Glied). Und hart muss man zuallererst immer gegen sich selbst sein

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